Zukunftsweisende Premiere: Viel Zuspruch für DLV- und DTU-Fortbildung mit Spitzenreferenten

Am Institut für Sportwissenschaften in Frankfurt/Main fand erstmalig eine gemeinsame themenbezogene Fortbildung zweier Spitzenverbände statt: Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) und die Deutsche Triathlon Union (DTU) hatten das Konzept im Vorfeld gemeinschaftlich erarbeitet und die Konferenz zusammen auf die Beine gestellt. Sie konnten dafür als Hauptreferenten zwei Trainer von Weltformat verpflichten.

DLV-Vorstand Sportentwicklung Dr. Ralf Buckwitz und der Wissenschaftskoordinator der DTU Dennis Sandig eröffneten am vergangenen Wochenende in Frankfurt die erste gemeinsame Ausdauersport-Konferenz, die unter dem Motto stand: "Was Leichtathleten und Triathleten voneinander lernen können." Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich für die Präsenzveranstaltung im Institut für Sportwissenschaft der Universität Frankfurt angemeldet, 100 von ihnen konnten schließlich mit ausreichend Abstand, 3G-Nachweis und Maske vor Ort teilnehmen. Weitere 350 Zuschauerinnen und Zuschauer folgten den Vorträgen in zwei verschiedenen Livestreams.

Das hohe Interesse an der Premiere war sicher auch auf die Reihe hochkarätiger Referenten zurückzuführen: Als Erfolgstrainer konnte die DTU Dan Lorang, Head of Performance beim Bora Radsport Team und Trainer der Ironman-Dominatoren Anne Haug und Jan Frodeno, zur Teilnahme gewinnen. Dem DLV gelang es, mit Patrick Sang den langjährigen Trainer von Marathonlegende Eliud Kipchoge (Kenia) für die Fortbildung nach Frankfurt zu holen – der 1992 selbst für Kenia Olympia-Silber über 3.000 Meter Hindernis errungen hatte.

Erfolgstrainer sprechen über Erfolgsathletinnen & -athleten


Patrick Sang benannte als Schlüssel zum Trainer-Erfolg die Kombination der Faktoren „Wissen“ und „Rückkopplung“. Der Trainer müsse beständig wahrnehmen, wie seine Sportlerinnen und Sportler die Belastung vertragen, erklärte er. Er erläuterte darüber hinaus, wie er das Training in der individualisierten Gruppe organisiert und dabei Umfänge und Intensitäten anordnet.

Radsport- und Triathlon-Experte Dan Lorang zeigte die komplexe Teamstruktur eines Radsport-Teams auf und dass der Erfolg hier viele Mütter oder Väter haben muss. Er schilderte, wie eng "Alles und Nichts“ im Spitzensport zusammenliegen und nannte dabei das Beispiel seiner Athletin Anne Haug: Diese hatte im Jahr 2019 nach langwierigen Verletzungsproblemen als erste Deutsche überhaupt mit Streckenrekord den Iron Man auf Hawaii (USA) gewonnen.

Diskutiert wurde auch die Überlegenheit des Norwegers Kristian Blummenfelt, der 2021 Olympiasieger wurde und danach im ersten Anlauf sofort in die Top Drei der Welt auf der Ironman-Distanz vorstieß. Als Erfolgsfaktoren genannt wurden sein unbedingter Wille, diesen zwei Projekten komplett alles unterzuordnen, seine eindrucksvolle physiologische Konstitution und der Einfluss des Monitorings seines umfangreichen Betreuerteams unter anderem auf seine Trainingsgestaltung.

Prof. Dr. Dr. Karsten Hollander vor großem Livestream-Publikum


Günther Lange, seit Jahrzehnten international in der Aus- und Fortbildung von Trainerinnen und Trainern und zurzeit in Uganda tätig, unterstützte den Vortrag von Patrick Sang als Kenner der Afrika-Laufszene mit Beispielen aus den konkurrierenden Nationen Uganda und Kenia. Prof. Dr. Uli Hartmann (Universität Leipzig), langjähriger Betreuer des deutschen Ruder-Achters, erläuterte die dem Training zugrundeliegenden physiologischen Anpassungsmechanismen und mögliche Fehler im Trainingsaufbau.

Prof. Dr. Dr. Karsten Hollander von der Medical School Hamburg, Monitoring-Experte von European Athletics und Leitender DLV Diszplinarzt Lauf/Gehen, schlug in seinem Vortrag einen langen Bogen von biomechanischen Einflussfaktoren wie z.B. Spezialschuhen mit Carbon und Einlegesohlen bis hin zu physiologischen Einsparungen durch einen ökonomischeren Laufstil. Diesem Vortrag konnten dank eines DLV-Angebots auch 200 Teilnehmer online in einem Livestream folgen.

Ein weiteres Themengebiet der Fortbildungsveranstaltung begleitete Dr. Susanne Weber, Sportgynäkologin aus Heidelberg: Sie zeigte die Besonderheiten des Menstruationszyklus der Frau als Einflussfaktor für Training und Wettkampf auf und verwies auf das Red-S-Phänomen im Spitzensport – das relative Energie-Defizit. Man müsse erste Hemmnisse abbauen und in Kontakt kommen, um diese Aspekte fruchtbar in die Trainingsarbeit zu integrieren.

Verbandsübergreifendes Format zukunftsweisend


Der Fachgruppenleiter Ausdauer am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig Nico Walter präsentierte ausgewählte Kleingruppen im Längsschnitt sowie beispielhafte Leistungsentwicklungen von Mittelstrecklern. Daniel Unger, Bundestrainer der DTU und einst selbst Weltklasse-Triathlet, präsentierte das Thema Höhentraining aus Trainer- und Athletensicht. Prof. Dr. Harald Lange, Sportpädagoge von der TU Würzburg, konnte den Wert von Erfahrungswissen eindrucksvoll erläutern und die Bedeutung des Trainers für die Hilfe bei der „Auswicklung“ der Genialität des Sportlers, die dieser bereits in sich trage.

Die Veranstaltung wurde mit einer Podiumsdiskussion abgerundet, in der die Erfolgstrainer und Wissenschaftler sich austauschten. Neben grundsätzlichen Positionen wurden Aspekte des Blocktrainings und Höhentraining diskutiert. Moderiert vom Head of Science des DLV Prof. Dr. Rainer Knöller wurden vor allem umfangreiche Fragen aus dem Plenum beantwortet. Alle Hauptreferenten waren an beiden Tagen anwesend und standen somit für Fragen bereit, auch Fragen der Zuschauer der Livestreams wurden aufgegriffen. Übereinstimmend wurde von Teilnehmern und Referenten das verbandsübergreifende Format als zukunftsweisend geschildert, der DLV wird daher diesen Ansatz auch zukünftig weiter verfolgen.