4. Virtueller Themenabend – TUEs und gemeinsam aktiv für sauberen Sport

„Pro-Sport, Anti-Doping“, so lautete das Motto des 4. Virtuellen Themenabends, den das DLV-Referat Freizeit- und Seniorensport erneut auf die Beine gestellt hatte. Gut 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden kompakt über die NADA, Dopingfallen und medizinische Ausnahmegenehmigungen informiert.

„Medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE)“ und „Gemeinsam aktiv für sauberen Sport“ – unter dieser Überschrift stand der Vortrag des NADA-Referenten Sebastian Engels, ehemaliger Eishockey-Spieler der Kölner Haie, beim 4. Virtuellen Themenabend des DLV-Referats Freizeit und Seniorensport am vergangenen Donnerstag.

Zunächst stellte er kurz die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA), die der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) untersteht, vor. Die WADA legt das Regularium im weltweiten Anti-Dopingkampf fest und passt es einmal jährlich an, woraufhin jeweils die NADA in Bonn die nationalen Regeln für Deutschland angleicht.

Die NADA arbeitet mit einem breiten Präventionsprogramm. In erster Linie sollen die Athletinnen und Athleten informiert werden, aber auch Eltern, Trainer, Betreuer, Lehrer und Ärzte sollen auf den aktuellen Stand gebracht werden. Hilfestellung gibt es zum Beispiel durch die NADA-App, in der nach zugelassenen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln (Kölner Liste) gesucht werden kann. Dieselben Inhalte gibt es auf der Homepage gemeinsam-gegen-doping.de zu finden. Außerdem gehören Broschüren, E-Learning-Programme, Infostände bei Meisterschaften sowie Workshop-Module zum Portfolio der NADA

Wie wird „verboten“ definiert?

Sebastian Engels erklärte auch die Definition des Begriffs „Doping“. „Doping“ wird nur im organisierten Sport verwendet. In anderen Bereichen (Freizeit, Beruf, Lifestyle, etc.) wird dagegen von „Medikamentenmissbrauch“ gesprochen. In beiden Fällen nutzt der Mensch eine verbotene Methode oder Substanz, um die Leistung zu steigern.

Doch wann werden Methoden oder Medikamente als verboten definiert? Hier gibt es drei Punkte: Kann die sportliche Leistung gesteigert werden? Besteht ein gesundheitliches Risiko? Liegt ein Verstoß gegen den Geist des Sports vor? Treffen zwei dieser drei Dinge zu, spricht man von Doping.

Dopingfalle Medikamente

Es folgten Erläuterungen verbotener Substanzen, die zu jeder Zeit, die im Wettkampf immer oder im Wettkampf in bestimmten Sportarten verboten sind und die Erklärung verbotener Methoden – Manipulation von Blut und Blutbestandteilen (M1), chemische und physikalische Manipulation (M2) sowie Gendoping (M3).

Nah an die Lebenswelt der Senioren-Wettkampfsportler ging es mit der Frage "welche Medikamente würdest du nehmen? Gegen Schmerzen, Erkältung, Husten, Allergien, Übelkeit." Sebastian Engels zeigte Beispiele von fast gleich klingenden Medikamenten auf, von denen das eine unbedenklich ist, das andere jedoch Probleme verursachen kann.

So sensibilisierte er seine Zuhörerschaft für Medikamente, die für Sportler und Sportlerinnen problematisch werden könnten. Sein Credo: „Informiert euch! Die Medikamentenabfrage NADAmed (Beispielliste) schützt vor Dopingfallen!“ Soll bedeuten: App installieren oder auf die Homepage gehen und lieber einmal mehr nachschauen, ob die Einnahme eines Medikaments in Ordnung ist. Oder im Zweifel telefonischen Kontakt mit dem Medizinischen Ressort der NADA aufnehmen bzw. eine Mail an die NADA schreiben (medizin@nada.de).

Ärztliches Attest und TUEs

Doch manchmal geht es nicht anders – es muss ein Medikament eingenommen werden, das eine verbotene Substanz enthält. Für Senioren-Wettkampfsportler (Nicht-Kaderathleten), die national an den Start gehen, reicht ein Attest des behandelnden Facharztes, in dem Medikation, Dauer und Dosierung der Einnahme genau vermerkt sind. Das ist wichtig, da ggf. im Nachhinein eine Retro-TUE von der NADA eingefordert werden kann.

Gehen die Senioren bei internationalen Meisterschaften an den Start, benötigen auch sie eine TUE (Therapeutic Use Expemtion). Diese Ausnahmegenehmigung muss mit einem Formular WMA / EMA, je nachdem, ob die Beantragung für eine Senioren-WM oder Senioren-EM erforderlich ist, bei der WMA oder EMA und einem auf Englisch ausgestellten ärztlichen Attest beantragt werden.

Nahrungsergänzungsmittel mit Bedacht konsumieren

Ein großer und wichtiger Punkt in der Präsentation von Sebastian Engels waren die Nahrungsergänzungsmittel. Sie sind mittlerweile ein großer Trend in der Gesellschaft. Die NADA möchte dafür sensibilisieren, dass Nahrungsergänzungsmittel zum Teil völlig unreflektiert eingenommen werden, was Art und Menge betrifft.

Um das Problem von verunreinigten (absichtliche Beimischung von Stimulantien oder unabsichtliche Kontaminierung im Produktionsprozess) Nahrungsergänzungsmitteln zu umgehen, empfiehlt die NADA die „Kölner Liste“. Auf der „Kölner Liste“ sind getestete Nahrungsergänzungsmittel gelistet. Man wird zwar selten genau diese getestete Charge erwischen, doch die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass das verwendete Nahrungsergänzungsmittel frei von dopingrelevanten Substanzen ist. „Verwendet Produkte von der Kölner Liste oder aus der Apotheke“, so der Appell von Sebastian Engels.

Dopingkontrollen und vielschichtige Folgen von Doping

Dem Dopingkontrollsystem begegnen Senioren-Wettkampfsportler in der Regel erst bei Wettkämpfen. Die NADA plant und koordiniert die Dopingkontrollen, ein externer Dienstleister führt sie durch. Es gibt Trainings- (Testpool Athleten/innen) und Wettkampfkontrollen. Letztere finden auch bei Senioren-Wettkämpfen statt. Zum Schluss ging Sebastian Engels noch kurz auf die Folgen von Doping ein, die gesundheitlichen, finanziellen, rechtlichen und oft vor allem sozialen Folgen.

David Deister und Cordula Rinne (Referatsleiterin Anti-Doping) bedankten sich von DLV-Seite für den gelungenen und sehr kompakten Vortrag. Die Virtuellen Themenabende gehen nun in die Sommerpause, während die Mastersathletinnen und -athleten immer mehr in die ersehnte Wettkampfsaison starten.

Hier gehts zur Videoaufzeichnung.